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aus dem karton ganz hinten im keller.

Letzte Woche war ich eben mal kurz im Supermarkt einkaufen. Backpulver und ein paar Trockenshampoopackungen. Und dann stand da plötzlich ein Plattenspieler auf dem Friedhof. Ich konnte sehen, wie sich das Vinyl unter dem Druck der Nadel bog und die Musik die aus den kleinen Lautsprechern drang war zu vertraut um fremd zu sein. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass sich Backpulver und Trockenshampoopackungen in meinen schwitzigen Händen befanden. Ich packte meinen Einkauf in die zusammengeknüllte Plastiktüte, die ich aus meiner Hosentasche gezogen hatte und rieb meine Hände an dem rauen Jeansstoff, bis sie trocken und rot waren. Dann zog ich den Stecker aus dem Steckdosenfrosch, der neben dieser Wand mit den ganzen kleinen Aschegräberkästen stand. Die Musik erlosch mit einem krummen Aufheulen. Ich nahm die Platte von der Drehscheibe und musste mich in meiner Verwunderung bestätig wissen. Ich hatte keine Platte von den Beatles, die hatte Er alle mitgenommen, als er gegangen war. Ich legte sie zurück auf die Drehscheibe und setzte mich neben den Spieler auf den krümeligen Kiesweg, der sich zwischen Gräbern mit Blumen und Windlichtern hindurch schlängelte. Ich konnte noch die feuchten Abdrücke meiner Finger auf dem dunklen Holz des Spielers sehen und verwischte sie mit dem Zeigefinger. Ich merkte, dass sich ein Sonnenbrand in meinen Nacken legte, erinnerte mich daran, dass ich glaubte, meine Cappy im Supermarkt liegen gelassen zu haben. Er hatte alle Platten der Beatles mitgenommen. Oder vielleicht hatte er sie auch im Supermarkt liegen gelassen. Mit einem leisen Geräusch fällt die Klappe des Steckdosenfroschs zu, die ich zuvor nicht richtig geschlossen hatte. Ich erschrak nicht einmal, weil irgendwas von mir es gewohnt war. Ich stand auf, drückte neue feuchte Abdrücke meiner Hände an das dunkle Holz des Plattenspielers und hob ihn hoch. Der schwere Steckdosenkopf, einer von diesen alten, dicken, nicht einer von diesen schlanken, schmalen, neuen, schlug mir sanft gegen das Schienbein. Auf dem Gras neben der Wand mit den ganzen kleinen Aschegräberkästen hob sich ein viereckiger, heller Fleck abgestorbenen Grases ab. Er hatte die gleiche Größe wie der Plattenspieler. Manchmal vergesse ich wer er war. Manchmal vergesse ich, dass er tot ist. Manchmal, weiß ich nicht was ich in der letzten halben Stunde getan habe, dass ich meine Cappy im Supermarkt vergessen habe, und den Plattenspieler aus meiner Wohnung geholt habe, und die Beatlesplatte aus dem Karton ganz hinten im Keller, und dass ich den Plattenspieler aus meiner Wohnung und die Beatlesplatte aus dem Karton ganz hinten im Keller bis zum Friedhof getragen habe und den alten, dicken und nicht schlanken, schmalen, neuen Steckdosenkopf in den Steckdosenfrosch gesteckt habe. Manchmal vergesse ich, dass Backpulver und Trockenhaarshampoopackungen in die Plastiktüte in meiner Hosentasche gehören. Manchmal vergesse ich, dass ich jeden Tag hier er komme um mich zu wundern, dass der viereckige helle Fleck abgestorbenen Grases auf dem Rasen neben der Wand mit den ganzen kleinen Aschegräberkästen, genau die gleiche Größe hat wie der Plattenspieler. Manchmal vergesse ich, dass irgendwas von mir daran gewöhnt ist, dass die Klappe des Steckdosenfroschs immer erst ein paar Augenblicke später mit so einem Geräusch zu fällt. Manchmal vergesse ich dass er tot ist. Aber meistens, meistens vergesse ich nicht, dass er in dem Aschegrabkasten in der dritten Reihe von unten und dort hinter der fünften kleinen Tür von rechts ist. Und meistens, meistens vergesse ich nicht, dass er genau dieses Lied von dieser einen Platte von den Beatles, von dem Karton ganz hinten im Keller, am liebsten mag, dann, wenn die Nadel genau in der Mitte beginnt das Vinyl ein bisschen zu biegen.
24.5.17 17:43
 
Letzte Einträge: feline. , tanz. bitte tanz für mich., er sie es., you are human after all., liebes ich., mementomoments.


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